Veröffentlicht 08/03/2026 in Erfahrungsmedizin von Alexander Glogg

Rückenschmerzen: Faszien, Läsionsketten und iXpending – Interview mit David Boeger


Rückenschmerzen: Faszien, Läsionsketten und iXpending – Interview mit David Boeger

Inhaltsverzeichnis

Das Interview

Silvia Müller: Herr Boeger, warum sind Rückenschmerzen so oft nur ein Symptom und nicht das eigentliche Problem?

David Boeger erklärt, dass die Wirbelsäule das Kompensationsorgan Nummer eins ist. Probleme an Fuß, Knie oder im Bauch können über Ketten - sogenannte Läsionsketten - zur Überlastung der Wirbelsäule führen. Wer allein den Rücken behandelt, verfehlt häufig die primäre Ursache. Die Wirbelsäule kompensiert, sie zeigt lediglich die Folgen.

Silvia Müller: Wie kann man diese Ketten im Alltag sichtbar machen?

Ein einfaches Beispiel: Auf der Stelle gehen und mit den Armen schwingen. Wenn Sie willentlich die rückwärtige Schwungbewegung eines Arms um nur 15 bis 20 Grad einschränken, zeigt die ganze Wirbelsäule sofort eine Kompensation. Die andere Schulter geht nach vorne, der entgegengesetzte Fuß tritt härter auf. Diese sichtbaren Ketten geben Hinweise, wo Sie im System suchen müssen.

Studioaufnahme: Experte zeigt Arm- und Handbewegungen zur Veranschaulichung von Bewegungsketten

Silvia Müller: Welche Basisbewegungen sind wichtig, damit Rückentraining überhaupt sinnvoll ist?

Boeger betont drei endgradige Basisbewegungen, die für rückengerechtes Verhalten nötig sind. Zusammengefasst lautet die Kernforderung: Hinhocken. Wenn Sie sich hinhocken können mit gestrecktem Rücken, ist die notwendige passive Beweglichkeit vorhanden. Fehlt diese, lässt sich kein effektives Training aufbauen.

Illustration: liegende Position, Schmetterlingssitz und Knie-zur-Brust zur Mobilitätsprüfung

Silvia Müller: Was verhindert diese Beweglichkeit häufig?

Verklebungen, Narben, frühere Operationen (z. B. Kaiserschnitt, Mandeloperation) oder Organstau können die Hüftspreize und Beugefähigkeit einschränken. Solche Ursachen werden selten mit Rückenschmerzen in Verbindung gebracht, gehören aber zu den häufigen Läsionsketten.

Silvia Müller: Sie sprechen auch von Organketten. Was bedeutet das konkret?

Laut Boeger sind mindestens 60 Prozent der Bandscheibenpatienten primär Bauchpatienten. Menstruationsbeschwerden, Verstopfung, Durchfall oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten führen zu Schonhaltungen und damit indirekt zur Belastung der Wirbelsäule. Die Brücke zwischen Ursachen und Wirkungen führt von inneren Organen zu Haltung und Muskulatur.

David Böger und Moderatorin im Interview sprechen über Organketten und Rückenschmerzen

Silvia Müller: Wie hängt Intuition mit Therapie zusammen?

Boeger beschreibt Intuition als Mustererkennung. Erfahrene Therapeuten erkennen Körpermuster unbewusst und treffen daraus abgeleitete Handlungen. Intuition ist der erste Impuls; danach folgt systematisches Testen, Lösen und Retesten der betroffenen Zonen nach einer strukturierten Reihenfolge (bei Boeger: 57 nummerierte Körperregionen).

Silvia Müller: Wie kann man selbst testen, ob die Lendenwirbelsäule physiologisch geformt ist?

Ein einfacher Selbsttest: Legen Sie sich auf den Rücken, strecken die Arme nach hinten. Ihr Lendenbereich sollte sich leicht vom Boden abheben, sodass Sie eine Hand unterlegen können. Dieser kleine Freiraum zeigt ein vorhandenes Hohlkreuz, das physiologisch und belastungsfähig ist. Ein flacher Rücken deutet auf Probleme hin.

Nahaufnahme des Gesprächspartners während er den Selbsttest für die Lendenwirbelsäule erklärt

Silvia Müller: Reichen Übungen allein aus?

Bewegung und Muskeltraining sind notwendig, aber nicht ausreichend, wenn die Mechanik fehlt. Erst wenn passive Beweglichkeit durch manuelles Lösen von Verklebungen, Narben und Faszienstau wiederhergestellt ist, lassen sich die richtigen Übungen erfolgreich verankern. Böger empfiehlt systematisches Arbeiten: Testen, Lösen, Retesten.

Breitbildaufnahme des Interviews: Gast und Moderatorin am Tisch, Austausch über Therapierollen

Silvia Müller: Welche Rolle spielen Therapeuten in diesem System?

Therapeuten sollten nicht nur Schmerzen managen. Wer Patienten dauerhaft kompensieren lässt, riskiert spätere Schäden. Ziel muss sein, den Weg für aufrechte Haltung und Funktionalität freizumachen. Ausbildungen und Fortbildungen sind essenziell, damit Handwerker der Heilung — die mit den Händen arbeiten — die notwendigen Techniken beherrschen.

Praktische Hinweise und Empfehlungen

  • Selbstkontrolle: Prüfen Sie Ihre passive Hüftbeweglichkeit und den Lendenfreiraum beim Arm-Überkopf-Test.
  • Alltagsverhalten: Vermeiden Sie langes Sitzen und das regelmäßige Übereinanderschlagen der Beine. Breitbeiniges Sitzen hilft, das Becken in eine physiologische Position zu bringen.
  • Suchen Sie die Ursache: Fragen Sie nach früheren Operationen, Magen-Darm-Symptomen oder Narben, die Bewegungsmuster beeinflussen könnten.
  • Therapeutenwahl: Achten Sie auf Therapeutinnen und Therapeuten, die diagnostisch und handwerklich arbeiten und bei Bedarf Empfehlungen aussprechen.

FAQ

Was sind die häufigsten Ursachen für chronische Rückenschmerzen?

Chronische Rückenschmerzen entstehen oft durch Verkettungen: lokale Probleme an Füßen oder Knien, Narben und Organstau sowie psychische Belastungen führen zu Schonhaltungen. Die Wirbelsäule zeigt dann die Folge, nicht zwingend die ursprüngliche Ursache.

Wie erkenne ich, ob ich passive Beweglichkeit verliere?

Ein einfacher Test ist das Hinhocken mit gestrecktem Rücken und der Arm-Überkopf-Test im Liegen. Einschränkungen, Schmerzen oder fehlender Freiraum sind Zeichen, dass passive Mobilität fehlt und gearbeitet werden sollte.

Wann sollte ich einen spezialisierten Therapeuten aufsuchen?

Bei wiederkehrenden oder chronischen Schmerzen, wenn einfache Fitnessübungen nicht helfen, oder wenn Sie frühere Operationen und Narben haben. Suchen Sie Therapeutinnen und Therapeuten, die Diagnostik, manuelle Techniken und systematisches Arbeiten verbinden.

Was ist wikiSana und wie hilft KI-SANA?

wikiSana ist eine umfassende Datenbank für ganzheitsmedizinische Inhalte. KI-SANA unterstützt bei der Recherche, indem Sendungen transkribiert und Inhalte mit künstlicher Intelligenz auffindbar gemacht werden. Nutzen Sie wikiSana als Brücke zwischen Praxiswissen und fundierten Inhalten.

Wo finde ich praxisnahe Kurse oder Zertifikate?

Die QS24 Academy bietet spezialisierte Kurse und Zertifikate zu ganzheitsmedizinischen Themen. Besuchen Sie die Seite: https://my.qs24.academy für Details zu Fortbildungen und Lehrgängen.

Weiterführende Angebote von QS24

QS24 bietet zahlreiche Ressourcen: die Online-Zeitung des Gesundheitskompasses (https://qs24.run/online), die QS24 Academy (https://my.qs24.academy) und die QS24 App (https://www.qs24.tv/qs24-app/). Nutzen Sie zudem die interaktiven QS24 Sprechstunden für Experten-Events, Live-Fragerunden und Networking (https://qs24.run/sprechstunden). Der Weg zur informierten Entscheidung wird so leicht zugänglich.

Überblick: Wirkung und Reichweite

Der QS24 Gesundheitskompass ist ein starkes Medium für ganzheitliche Gesundheitskommunikation. Die erste Ausgabe erreichte eine Verteilung von 140.000 Exemplaren. Die zweite Ausgabe markiert einen neuen Meilenstein: über 1.000.000 Exemplare insgesamt, davon rund 580.000 direkt im D-A-CH-Raum verteilt. Das zeigt: Inhalte zu Prävention und Ganzheitsmedizin werden intensiv nachgefragt.

Die QS24 Mediengruppe AG bietet umfassende Leistungen: Tagesreichweite bis zu 600.000 Zuschauer, über 400.000 Abonnenten auf YouTube, monatlich mehr als 419.900 gestreamte Stunden, über 6.500 Videos und ein Expertennetzwerk mit über 700 Fachkräften. wikiSana bündelt aktuell mehr als 9.000 Sendungen und nutzt KI zur Recherche. Diese Infrastruktur macht hochwertige Gesundheitsinformationen zugänglich.

Sie möchten stets informiert bleiben? Melden Sie sich für den QS24 Newsletter an: https://www.qs24.tv/newsletter/.

Herzlichen Dank für Ihre Zeit und Ihr Interesse. Möge diese Orientierung Ihnen helfen, Ursachen statt nur Symptome zu sehen und Schritte für nachhaltige Gesundheit zu gehen.

Mit warmen Grüßen und Dankbarkeit,
Das QS24-Team



Veröffentlicht von

Alexander Glogg

Mehr Informationen Mitglied kontaktieren

Verwandte Beiträge


Schutz vor sexueller Gewalt – Interview mit Mag. Wolfgang Kostenwein
Schutz vor sexueller Gewalt – Interview mit Mag. Wolfgang Kostenwein
Vorsorgeuntersuchungen: Fluch oder Segen? Interview mit Dr. med. Ruediger Dahlke, Arzt, Autor und Philosoph
Vorsorgeuntersuchungen: Fluch oder Segen? Interview mit Dr. med. Ruediger Dahlke, Arzt, Autor und Philosoph
Schönheit, die bei Krebs neue Perspektiven schafft – Interview mit Regine Plochmann und Harry Ritter
Schönheit, die bei Krebs neue Perspektiven schafft – Interview mit Regine Plochmann und Harry Ritter
Warum Stress Sie krank macht und wie Wärme hilft – Interview mit Kurt Allensbach, Infrarot-Experte und Resilienztrainer
Warum Stress Sie krank macht und wie Wärme hilft – Interview mit Kurt Allensbach, Infrarot-Experte
Fatigue: Wenn Müdigkeit chronisch wird – Interview mit Dr. med. Reiner Treise, Geschäftsführer Sauerstoffzentrum Nordost
Fatigue: Wenn Müdigkeit chronisch wird – Interview mit Dr. med. Reiner Treise, Geschäftsführer

Wir lieben es, verbunden zu bleiben

Banneranzeige