Veröffentlicht 29/01/2026 in Erfahrungsmedizin von Alexander Glogg

Placebo & Nocebo: Gedanken können heilen oder krank machen – Interview mit Dr. med. Reinald Schiestel, Experte für Erfahrungsmedizin


Placebo & Nocebo: Gedanken können heilen oder krank machen – Interview mit Dr. med. Reinald Schiestel, Experte für Erfahrungsmedizin

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Dieses Gespräch mit Dr. med. Reinald Schiestel öffnet die Brücke von Schulmedizin zur Ganzheitsmedizin. Er erklärt, wie Gedanken Heilung fördern oder Krankheit verstärken können, warum Diagnosen Macht entfalten und wie Sie persönlich Schritte zur Selbstermächtigung gehen können. Die wichtigsten Begriffe dieses Interviews sind Placebo und Nocebo. Im Text finden Sie praktische Hinweise, wissenschaftliche Gedanken und einen Orientierungsweg, um im Alltag ruhiger, klarer und gesünder zu handeln. Die Plattformen QS24, wikiSana, QS24.tv und die QS24 Sprechstunden bieten ergänzende Ressourcen.

Interview

Silvia Müller: Dr. Schiestel, was verstehen Sie unter Placebo und Nocebo?

Dr. Reinald Schiestel: Placebo bedeutet wörtlich "es wird mir gut tun"; Nocebo bedeutet "es wird mir schaden". Beide sind nicht magisch, sondern psycho-neuro-biologische Effekte: Eine Vorstellung, eine Erinnerung, eine Diagnose oder ein Wort kann physische Prozesse auslösen. Durch Imagination werden neuronale und hormonelle Kaskaden aktiviert; über die Epigenetik werden sogar Zellantworten gesteuert. Das heißt: Ihre inneren Bilder und Überzeugungen verändern, wie Gene abgelesen werden.

Älterer Mann im Interview, spricht und gestikuliert mit beiden Händen

Silvia Müller: Sie sprechen oft von der Psyche als Gerüst. Wie viel davon ist bewusst?

Dr. Reinald Schiestel: Sehr wenig. Nur etwa 5 Prozent dessen, was im Kopf abläuft, ist bewusst. Stellen Sie sich ein Maßband vor: Ein kleiner sichtbarer Anteil, den Rest nehmen Sie nicht wahr, aber er formt Ihr Leben. In der frühen Kindheit legt sich ein großes Repertoire an Mustern in das Unterbewusstsein. Diese impliziten Erinnerungen reagieren auf Trigger und können Körperfunktionen auslösen — manchmal reine Muskelreaktionen, manchmal Durchfall, manchmal emotionale Flut, ohne dass der Verstand das erklärt.

Seitenansicht von Interviewgast im gelben Sakko und Moderatorin am Tisch während der Diskussion

Silvia Müller: Können Diagnosen schaden?

Dr. Reinald Schiestel: Ja. Jede Diagnose trägt das Potenzial eines Nocebo in sich. Diagnosen sind Klassifikationen nach Standardwerken wie ICD und sie haben ihre Bedeutung. Doch sie wirken auch in Ihrem Körper über Erwartungshaltungen und epigenetische Prozesse. Menschen entwickelten Symptome, weil sie glaubten, bereits erkrankt zu sein. Deshalb ist es wichtig, wie eine Diagnose vermittelt wird, und wie Sie selbst damit umgehen.

Interviewgast im gelben Sakko erklärt mit zusammengefügten Händen, Moderatorin hört zu

Silvia Müller: Wie viel von «vererbten» Krankheiten ist wirklich genetisch festgelegt?

Dr. Reinald Schiestel: Echte Gendefekte sind sehr selten. Viele familiär gehäufte Erkrankungen lassen sich besser als epigenetische Weitergaben verstehen: Muster, Ernährung, Stress und Verhalten prägen die Art und Weise, wie Gene abgelesen werden. Arthrose, Bandscheibenprobleme, Hypertonie oder Verdauungsstörungen sind häufig Ausdruck von muskulären Mustern, Stoffwechsel und Lebensführung — und damit veränderbar.

Interviewgast im gelben Sakko gestikuliert mit beiden Händen während er spricht

Silvia Müller: Was sagen Sie Menschen, die sich «hilflos» gegenüber medizinischen Eingriffen fühlen?

Dr. Reinald Schiestel: Die innere Haltung ist entscheidend. Jemand, der Entscheidungen nur extern trifft und seine Eigenverantwortung abgibt, wird es schwerer haben, Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Aber es ist nie zu spät: Wer bereit ist, Mindset, Ängste und Haltung zu verändern, kann viel erreichen. Dazu gehören Selbstreflexion, Stabilisierung im Alltag und die bewusste Rückeroberung eigener Entscheidungsräume.

Interviewgast im gelben Sakko zeigt mit der Hand eine erklärende Geste

Silvia Müller: Wie kann man das im Alltag konkret anwenden — wenn man etwa plötzlich stark getriggert wird?

Dr. Reinald Schiestel: Ein direkter erster Schritt ist das Innehalten. Wenn eine Reaktion hochkommt: einen Schritt zurücknehmen, prüfen, ob die Situation aktuell ist oder eine alte Erinnerung getriggert wurde. Atmen, kurz den Körper scannen, fragen: «Gehört diese Reaktion jetzt hierher?» Dann entscheiden, ob Sie entsprechend handeln oder bewusst anders wählen. Meditation ist hilfreich, aber das tägliche Bewusstmachen im Moment ist essenzieller.

Interviewgast gestikuliert mit beiden Händen vor der Brust, erklärt innere Prozesse

Silvia Müller: Sie erwähnten Grundbedürfnisse — was ist da wichtig?

Dr. Reinald Schiestel: Es geht nicht um die bekannte Bedürfnispyramide, sondern um acht frühe Grundbedürfnisse des Säuglings. Ganz vorne steht das Urvertrauen: die Übereinstimmung der Eltern zueinander. Fehlt dieses Acknowledgement, bleibt ein permanenter Minderwert. Weitere Bedürfnisse sind Anerkennung durch die Gruppe, Schutz, Nahrung, Bewegungsfreiheit, Regeneration, Kommunikation und zuletzt Sexualität. Viele Lebensprobleme lassen sich verstehen, wenn diese frühen Bedürfnisse nicht erfüllt wurden.

Nahaufnahme des Interviewgastes im gelben Sakko, konzentrierter Gesichtsausdruck

Silvia Müller: Wie sehen Sie Spiritualität im Verhältnis zum Körper?

Dr. Reinald Schiestel: Spiritualität beginnt im Körper, nicht allein im Kopf. Wenn Sie nicht verwurzelt sind, bringt Ihnen «fliegen» nichts. Pseudospiritualität ohne Körperintegration ist gefährlich: Sie braucht sinnvolle Anwendung im Alltag und einen Beitrag für das Umfeld. Wahre Spiritualität bleibt bodenständig und verbindet Innenwelt mit Verantwortung nach außen.

Silvia Müller: Können Ärzte und Therapeuten diese Konzepte lernen?

Dr. Reinald Schiestel: Ja, viele könnten schalten — doch es verlangt Mut und eine Weltbildänderung. Ich habe erlebt, dass die Konditionierung sehr stark ist. Nicht jeder Patient eignet sich sofort für rein energetische oder psychisch orientierte Eingriffe; manchmal sind das Skalpell, die Spritze oder andere klassische Maßnahmen unentbehrlich. Heilsames Arbeiten bedeutet immer, individuell zu entscheiden und nicht dogmatisch zu werden.

Nahaufnahme des Interviewgastes im gelben Sakko, spricht erklärend in die Runde

Silvia Müller: Wo finden Interessierte Unterstützung und vertiefende Angebote?

Dr. Reinald Schiestel: Ich arbeite in Wien mit SYSTOMED. Dort verbinden wir Chirurgie und systemische Medizin und begleiten Menschen in der Selbstermächtigung. Es gibt auch Webinare und Kurse, die tiefer in Themen wie Placebo/Nocebo, Psychoneuroimmunologie und Systemik einführen.

Studioaufnahme: Experte im gelben Sakko und Moderatorin am runden Tisch im Gespräch

Praktische Schritt-für-Schritt-Empfehlungen

Wenn Sie heute etwas verändern möchten, beginnen Sie mit diesen einfachen Schritten:

  • Innehalten: Beim ersten Impuls kurz atmen und prüfen.
  • Fragen stellen: Gehört diese Reaktion zur Gegenwart oder zu einer alten Bibliothek?
  • Körper nehmen: Scannen Sie Muskelspannung, Atmung, Haltung; oft sagt der Körper klarer als der Kopf.
  • Bedürfnisse prüfen: Fehlt Urvertrauen oder Anerkennung? Arbeiten Sie an einem Bedürfnis nach dem anderen.
  • Kontingenz üben: Erlauben Sie sich unabhängige Identität: «Ich bin gut, auch ohne den anderen.»

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Placebo und Nocebo?

Placebo bewirkt positive Effekte durch Erwartung und Imagination; Nocebo löst negative Effekte aus. Beide wirken über psychoneurobiologische Mechanismen und beeinflussen Hormone, Immunantwort und epigenetische Prozesse.

Sind vererbte Krankheiten vollständig genetisch bestimmt?

Nur sehr selten. Gendefekte sind in der Population selten. Viele familiäre Krankheiten entstehen durch epigenetische Prägung, Verhalten, Ernährung und Stressmuster, die weitergegeben werden.

Wie erkenne ich, ob eine Diagnose ein Nocebo für mich ist?

Achten Sie auf Ihre innere Reaktion. Fühlen Sie sich gelähmt, ängstlich oder als «Opfer» der Diagnose? Wenn ja, arbeiten Sie bewusst an innerer Haltung, fragen Sie nach, wie die Information vermittelt wurde, und suchen Sie Begleitung, die Sie stabilisiert.

Wo finde ich weiterführende Kurse und Live-Formate?

Informationen und Kurse bietet die QS24 Academy: https://my.qs24.academy. Für interaktive Experten-Events und Live-Fragerunden besuchen Sie die QS24 Sprechstunden: https://qs24.run/sprechstunden. Die Plattformen QS24, wikiSana und QS24.tv bieten zusätzliche Inhalte.

Weiterführende Ressourcen und Einladung

QS24 bietet ein breites Spektrum für ganzheitliche Gesundheit: die Online-Zeitung, die QS24 Academy, wikiSana und die QS24 App. Nutzen Sie diese Angebote für vertiefende Inhalte, Vernetzung und Weiterbildung.

Besondere Hinweise:

  • Die erste Ausgabe des QS24 Gesundheitskompasses erreichte eine Auflage von 140.000 Exemplaren.
  • Die zweite Ausgabe des QS24 Gesundheitskompasses erscheint im Januar 2026 und wird mehr als 1.000.000 Exemplare umfassen, davon rund 580.000 verteilt im D-A-CH-Raum.
  • QS24 Academy: https://my.qs24.academy — einzigartige Kurse mit Zertifikaten.
  • Online-Zeitung Gesundheitskompass: https://qs24.run/online
  • QS24 App: https://www.qs24.tv/qs24-app/
  • Newsletter-Anmeldung: https://www.qs24.tv/newsletter/

Zur Reichweite und Seriosität der QS24 Mediengruppe AG: Tagesreichweiten bis zu 600.000 Zuschauer, über 400.000 Abonnenten in Netzwerken, mehr als 6.500 Videos und ein Expertennetzwerk mit über 700 Ärztinnen und Ärzten geben Ihnen verlässliche Begleitung in Gesundheitsthemen. Die wikiSana-Datenbank und die KI-gestützten Suchfunktionen ermöglichen zielgerichtete Recherche. Die Angebote sind plattformübergreifend und international verfügbar.

Abschließende Worte

Sie tragen mehr Einfluss in sich, als Ihnen oft gesagt wird. Diagnosen, Worte und Vorstellungen formen Ihre Biologie. Schritt für Schritt können Sie lernen, diese innere Macht konstruktiv zu lenken: durch Bewusstheit, Körperarbeit, die Klärung frühkindlicher Bedürfnisse und die Integration von Geist und Körper. Das ist keine Esoterik, sondern eine Brücke von Ursachen zu Wirkungen — praktisch, erfahrungsbasiert und mit Respekt für beide Welten: Schulmedizin und Ganzheitsmedizin.

Wenn Sie Unterstützung suchen: Informieren Sie sich über SYSTOMED in Wien, über die QS24 Academy und die QS24 Sprechstunden. Die Ressourcen von QS24, wikiSana und QS24.tv helfen Ihnen, kompetente Begleitung zu finden.

Herzlichen Dank für Ihre Zeit und Ihr Interesse. Mit Wertschätzung und Zuversicht,

Ihr QS24-Team — in Dankbarkeit



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Alexander Glogg

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