Veröffentlicht 16/02/2026 in Wissenschafts-Gremium von Alexander Glogg

HbA1c: Diabetes richtig verstehen – Interview mit Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Andreas Pfützner


HbA1c: Diabetes richtig verstehen – Interview mit Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Andreas Pfützner

Inhaltsverzeichnis

Ein klares Gespräch über HbA1c: Was misst der Wert wirklich — und was nicht?

Dieses Interview beleuchtet, auf Augenhöhe und mit einem klaren Blick für Ursachen und Wirkungen, den HbA1c-Wert: Seine Entstehung, seine Stärken, seine gravierenden Schwächen und die Konsequenzen für Therapieentscheidungen. Sie lesen eine Perspektive, die Schulmedizin und ganzheitliche Ansätze verbindet — eine Brücke von Laborwerten zur individuellen Behandlung. Dabei spielen die Plattformen QS24, wikiSana, QS24.tv, Sprechstunden immer wieder als Ressourcen und Angebote eine Rolle.

Gesprächspartner

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Andreas Pfützner, Diabetologe, Chemiker und Praxisleiter in Mainz — erklärt präzise, warum der HbA1c ein nützlicher, aber begrenzter Laborparameter ist und wie eine ursachenorientierte Therapie aussehen kann.

Interview

Herr Professor Pfützner, was genau misst der HbA1c-Wert?

Der HbA1c zeigt den durchschnittlichen Blutzucker über etwa acht bis zwölf Wochen. Er misst, wie stark sich Glukose an das Hämoglobin in roten Blutkörperchen gebunden hat. Das wird häufig als „Langzeitblutzucker“ bezeichnet. Wichtig: Es ist ein Mittelwert über Millionen von Erythrozyten, kein Echtzeitwert. Deshalb sagt der HbA1c nichts über tägliche Schwankungen oder Hypoglykämien aus.

Prof. Dr. Andreas Pfützner zeigt eine präzise Handgeste beim Erklären des HbA1c

Warum ist der HbA1c trotzdem zum Standard geworden?

Historisch gab es zwei große Studien — DCCT und UKPDS — die zeigten, dass niedrigerer HbA1c mit weniger Spätschäden korreliert. Außerdem gibt es einen weltweiten Standard der Labormessung, was Vergleiche ermöglicht. Das macht den Parameter praktisch und vergleichbar fürs Management.

Studioaufnahme: weiter Bildwinkel mit zwei Personen am Tisch im Gespräch, gute Bildschärfe

Welche grundlegenden Schwächen hat dieser Parameter?

Kurz zusammengefasst:

  • Der HbA1c ist ein Durchschnitt. Er verschleiert Schwankungen und Unterzuckerungen.
  • Er liefert keine Information zur Pathophysiologie hinter dem Diabetes. Er sagt nichts über Insulinwirkung, Proinsulin oder Insulinresistenz aus.
  • Bestimmte Krankheiten oder Hämoglobinvarianten verfälschen das Ergebnis (Eisenmangel, Nierenkrankheit, Schwangerschaft, ethnische Unterschiede).
  • Er erklärt nicht, warum Patienten trotz „guter“ HbA1c-Werte Herzinfarkte oder Schlaganfälle erleiden können.
Slide ‚Die Grundstörungen – Was ist Typ 2 Diabetes?‘ Diagramm zeigt Insulinresistenz, Proinsulinanstieg, Gewichtszunahme und Folgeerkrankungen

Wieso führten Studien wie ACCORD, ADVANCE und VADT zu Ernüchterung?

Diese Outcome-Studien zeigten, dass eine aggressive HbA1c-Senkung nicht automatisch die Sterblichkeit reduziert. In der ACCORD-Studie war die intensive Blutzuckersenkung sogar mit mehr Todesfällen verbunden. Warum? Mögliche Gründe sind vermehrte schwere Hypoglykämien, bestimmte Medikamentenkombinationen und Nebenwirkungen. Die wichtigste Lehre: Ein guter HbA1c ist kein Garant für Lebensverlängerung, wenn die zugrunde liegenden Stoffwechselstörungen unbehandelt bleiben.

Folie mit Ergebnissen der ACCORD, ADVANCE und VADT-Studien; Herz‑Tod‑Werte rot markiert

Wie verändert die kontinuierliche Glukosemessung (CGM) unser Verständnis?

CGM liefert Echtzeitdaten: Time in range, Häufigkeit und Dauer von Ausreißern. Damit sehen Sie, ob ein Patient viele Hypo- oder Hyperphasen hat — Informationen, die der HbA1c nicht liefert. CGM ist näher an der tatsächlichen Lebensrealität des Blutzuckers und offenbart Therapie-Schwachstellen.

Prof. Dr. Andreas Pfützner gestikuliert mit der rechten Hand, während er im Interview die Bedeutung der CGM-Daten erklärt.

Sie sprechen von Grundstörungen des Typ-2-Diabetes — was meinen Sie damit?

Typ-2-Diabetes ist mehr als nur Zucker. Es ist ein komplexes Stoffwechselproblem: Fettgewebe schüttet Hormone aus, die zu Insulinresistenz führen; die Bauchspeicheldrüse wird überlastet; Proinsulin steigt; Entzündungen fördern Arteriosklerose. Zucker ist ein Symptom — nicht die alleinige Ursache. Wenn man nur den Zucker verwaltet, verfehlt man oft die zentralen Krankheitsmechanismen.

Übersichtsfolie zu Grundstörungen des Typ‑2‑Diabetes mit Pfeilen zu Gewichtszunahme und Proinsulin

Was empfehlen Sie Patientinnen und Patienten konkret?

Verstehen Sie erst einmal Ihren Diabetes-Typ. Lassen Sie zusätzliche Parameter bestimmen, etwa intaktes Proinsulin. Fragen Sie: Ist meine Bauchspeicheldrüse unter Druck? Ein erhöhter intakter Proinsulinwert ist ein Warnsignal für Gefäßschäden und erfordert gezielte Therapie. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder Diabetologen — und denken Sie daran: Der HbA1c ist nützlich, aber nicht alles.

Studioaufnahme Totale: Zwei Gesprächspartner sitzen an einem runden Holztisch im Studio, Gespräch über personalisierte Diabetes-Therapie und HbA1c.

Wie sieht eine moderne, personalisierte Therapie aus?

Die Antwort liegt in Phänotypisierung: Ermitteln Sie die individuellen Grundstörungen und behandeln Sie diese gezielt. Das kann Gewichtsmanagement, spezifische Medikamente, Insulintherapie zur Entlastung der Bauchspeicheldrüse oder Maßnahmen gegen Entzündung und Arteriosklerose umfassen. Ergebnis: Der HbA1c verbessert sich, weil die Ursache behandelt wurde — nicht weil nur an dem Laborwert gedreht wurde.

Klares UKPDS-Liniendiagramm zur Entwicklung des HbA1c über zehn Jahre mit Legende verschiedener Behandlungsarten

Was sollten Ärztinnen und Ärzte tun, die umdenken wollen?

Fortbildung, Zusammenarbeit, Offenheit für Phänotypisierung. Prof. Pfützner bietet Fortbildungen an und baut ein Netzwerk auf. Es braucht Mut, Therapieziele neu zu denken und Leitlinien kritisch zu hinterfragen — im Interesse der Patientinnen und Patienten.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der wichtigste praktische Tipp für Patientinnen und Patienten mit „gutem“ HbA1c?

Prüfen Sie die Schwankungen: Fragen Sie nach CGM-Daten oder dokumentieren Sie Blutzuckerwerte. Lassen Sie zusätzlich Proinsulin bestimmen. Verstehen Sie, ob Ihr Stoffwechsel und Ihre Gefäße gefährdet sind — nicht nur der Durchschnittswert.

Wann ist der HbA1c wirklich irreführend?

Bei Hämoglobinvarianten, Eisenmangel, Niereninsuffizienz, Schwangerschaft und bei unterschiedlichen ethnischen Hintergründen. Auch wenn viele Unterzuckerungen vorliegen: Zwei Personen mit gleichem HbA1c können völlig unterschiedliche Risikoprofile haben.

Welche Messung ist moderner: HbA1c oder CGM?

Beide haben ihren Platz. HbA1c bleibt ein standardisierter Vergleichswert. CGM liefert jedoch tiefere, dynamische Einsichten in Time in range und Hypoglykämien. Optimal ist die Kombination: Laborparameter plus Echtzeitdaten.

Welche nächsten diagnostische Schritte können Sie den Hausärztinnen und Hausärzten empfehlen?

Bestellen Sie intaktes Proinsulin, prüfen Sie weitere metabolische Marker, nutzen Sie CGM, wenn möglich, und denken Sie an Phänotypisierung — also die genaue Zerlegung des Diabetes in seine Ursachen.

Ressourcen, Angebote und Kontakt

Wenn Sie vertieft arbeiten möchten, stehen Ihnen mehrere Angebote der QS24 Mediengruppe zur Verfügung:

  • Gesundheitskompass — Ausgabe 1 erreichte eine Verteilauflage von 140.000 Exemplaren. Die zweite Ausgabe erscheint im Januar 2026 mit einer Auflage von über 1.000.000 Exemplaren, davon rund 580.000 Stück im D-A-CH-Raum verteilt.
  • QS24 Academy: Einzigartige Kurse und Zertifikate mit Expertinnen und Experten. Online: https://my.qs24.academy
  • Online-Zeitung und Plattform: https://qs24.run/online
  • Installieren Sie die QS24 APP: https://www.qs24.tv/qs24-app/
  • QS24 Sprechstunden: Interaktive Experten-Events mit Live-Fragerunden. Mehr Informationen: https://qs24.run/sprechstunden
  • Newsletter-Anmeldung: https://www.qs24.tv/newsletter/
  • wikisana: Umfangreiche, werbefreie Datenbank und KI-gestützte Suche — ein zentraler Hub für ganzheitsmedizinische Inhalte.

Die QS24 Mediengruppe stellt Fakten und Reichweite bereit: über 700 Expertinnen und Experten, mehr als 6.500 Videos, eine Tagesreichweite bis zu 600.000 Personen und eine starke YouTube-Präsenz. Diese Plattformen ermöglichen den Brückenschlag zwischen Schulmedizin und Ganzheitsmedizin — für Sie.

Abschließende Gedanken

Der HbA1c ist nützlich, aber nicht das Maß aller Dinge. Er ist ein Fenster in die Blutzuckerhistorie, kein vollständiges Bild der Erkrankung. Die Herausforderung und Chance liegt darin, die Ursachen zu erkennen und individuell zu behandeln. Das ist kein Angriff auf bewährte Medizin, sondern eine Einladung zum Ergänzen: Ursachen und Wirkungen, Laborwerte und Patientin oder Patient.

Vielen Dank für Ihr Interesse und Ihr Mitdenken. Bleiben Sie neugierig, fragen Sie nach den Ursachen und nutzen Sie die Ressourcen von QS24, wikiSana, QS24.tv, Sprechstunden, um informierte Entscheidungen zu treffen.

Mit herzlicher Wertschätzung,
Fabian Glogg und das Team der QS24 Mediengruppe



Veröffentlicht von

Alexander Glogg

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