Veröffentlicht 04/03/2026 in Wissenschafts-Gremium von Alexander Glogg

Fettleber Heilung: S3‑Leitlinie, Bodymed und Leberfasten – Interview mit Dr. med. Hardy Walle


Fettleber Heilung: S3‑Leitlinie, Bodymed und Leberfasten – Interview mit Dr. med. Hardy Walle

Dieses Gespräch führt Sie in die Entstehung eines Ernährungskonzepts, das aus der Praxis geboren wurde und heute in der Spitzenmedizin Anerkennung findet. Sie lesen hier die klaren Antworten eines Arztes, der aus Frustration eine Lösung entwickelte: Bodymed, das Leberfasten (HEPAFAST) und der Weg in die S3‑Leitlinie. Das Thema verknüpfen wir mit konkreten Praxisregeln für Ihre Gesundheit und mit den Angeboten von QS24, wikiSana, QS24.tv und den QS24 Sprechstunden.

Inhaltsverzeichnis

Ein Blick zurück: Wie aus Praxis eine Medizin wurde

Wie entstand Ihr Ernährungskonzept — und warum gerade aus Frust?

Dr. Walle erklärt, dass die klassische Ernährungsberatung oft kurzfristig wirkt: Patientinnen und Patienten nehmen ein paar Kilo ab, kommen aber nach einem Jahr wieder zurück. Aus dieser Erfahrung entstand die Idee, Ernährung neu zu denken. Nicht bloß Kalorien zählen, sondern Ursachen angehen — insbesondere die Leber als zentrales Stoffwechselorgan. Das führte 1994/1995 zur ersten Kursserie und später zur Gründung der Bodymed‑GmbH.

Zweiszenenaufnahme im Studiointerview mit beiden Gesprächspartnern

Was war der wissenschaftliche Drehpunkt, der das Konzept tragfähig machte?

Der Wendepunkt war die Beobachtung kohlenhydratinduzierter Leberverfettung. Nach Befunden aus Leberbiopsien wurde klar: weniger raffinierte Kohlenhydrate, mehr Eiweiß, und die Leberwerte bessern sich. Daraus entwickelte sich ein Programm mit eiweißbetonten Mahlzeitenersatzprodukten plus Schulung, Verhaltenstherapie und Bewegung — nicht als Produktverkauf, sondern als systematische Betreuung.

Wissenschaft, Leitlinien und reale Implementierung

Wie schaffte es Bodymed / Ihr Programm in die S3‑Leitlinie?

Durch strukturierte Forschung, Kooperationen mit Universitäten und publizierte Studien. Bodymed wurde in der S3‑Leitlinie zur Prävention und Therapie der Adipositas erwähnt, was Türen zu Krankenkassenverträgen öffnete. Wichtig: Die Shakes sind Werkzeuge, nicht Lösungen. Der Kern ist die langfristige Schulung und Begleitung — drei bis sechs Monate Produktnutzung, sechs bis neun Monate Verhaltenstherapie.

Weitwinkelaufnahme des Gesprächs im Studio mit zwei Personen, Tisch mit Gläsern, Dekoration und Untertitel zur S3‑Leitlinie

Wie halten Sie Interessenkonflikte niedrig und die wissenschaftliche Integrität hoch?

Dr. Walle zog sich aus dem operativen Geschäft zurück und ist inzwischen ärztlicher Beirat. Umsätze der Firma fließen nicht in seine persönliche Praxiskasse. Er betont Transparenz und die Notwendigkeit, dass unabhängige Forschung die Ergebnisse prüft.

Konkrete Regeln, die Sie sofort anwenden können

Welche praktische Ernährungsregel ist die wichtigste?

Die Reihenfolge beim Essen: zuerst Ballaststoffe (Salat, Gemüse), dann Eiweiß, dann kohlenhydratreiche Beilagen, zuletzt Süßes. Das reduziert Glukosespitzen, vermindert Insulinausschüttung und verlängert die Sättigung. Dieser simple «Glukose‑Trick» führt bei vielen Menschen zu sichtbaren Resultaten — ohne zu hungern.

Arzt im Interview erklärt mit offenen Händen und gestikuliert Mengen

Wie viel Eiweiß brauchen Sie wirklich?

Walle unterscheidet Minimum versus optimal: 0,8 g/kg ist das Mindestniveau, 1,0–1,2 g/kg ist besser, für gute Gesundheit 1,5–1,6 g/kg, bei Bedarf bis 2 g/kg. Für übliche Patientengruppen startet er oft bei 1,2 g/kg, der Schnitt liegt bei 1,5 g/kg. Bei einem Defizit besteht die Gefahr, dass Muskelmasse verloren geht — und das ist langfristig schlimmer als das Körpergewicht allein.

Mann im Interview erklärt etwas mit Händen, ruhiger Studiohintergrund

Sind Shakes sinnvoll — oder nur «Pülverchen»?

Shakes sind Pragmatik: Sie helfen, das Eiweißziel im Kaloriendefizit zu erreichen. Für viele Menschen ist das Frühstück unterwegs ein Risikofaktor (Bäckereiprodukte, Coffee to go). Ein Eiweißshake kann dann die beste Option sein. Entscheidend bleibt die Kombination mit Schulung — nicht nur das Produkt.

Leber, Diabetes und chronische Krankheiten

Warum ist die nicht‑alkoholische Fettleber so zentral?

Die Fettleber steht am Anfang vieler metabolischer Krankheiten: Typ‑2‑Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und sogar gewisse Krebsrisiken hängen damit zusammen. Walle nennt die Leber «Stoffwechsel‑Organ Nummer eins» und fordert ursächliche Therapie statt reiner Symptombehandlung.

Weitwinkelaufnahme eines Studiointerviews, Experte gestikuliert, Moderator schreibt Notizen

Kann Typ‑2‑Diabetes durch Ernährung in Remission gehen?

Ja — frühe Intervention erhöht die Chance deutlich. Roy Taylor und andere zeigten, dass eine intensive Ernährungsintervention Remission ermöglichen kann. Je früher man ansetzt, desto höher die Erfolgswahrscheinlichkeit. Später werden Schäden oft irreversibel.

Mythen, Eier und tierische Proteine

Sind Eier wirklich gefährlich wegen Cholesterin?

Die aktuellen Erkenntnisse: Nahrungscholesterin spielt eine untergeordnete Rolle. Die Leber reguliert die Cholesterinproduktion. Studien mit ausschließlichem Eikonsum (Kurzzeitstudien) zeigten keine konsistent signifikante Erhöhung des Cholesterins. Eier liefern hochwertige Nährstoffe. Qualität (Bio, Fütterung) bleibt wichtig.

Weitwinkelaufnahme des Studiointerviews mit Moderator und einem Experten, Tisch mit Gläsern und Dekoration sichtbar

Ist vegetarisch oder vegan problematisch für Proteinbedarf?

Ovolactovegetarisch ist unproblematisch — Eier und Milch liefern essentielle Aminosäuren. Vegan erfordert gezielte Planung, Substitution (vor allem Vitamin B12, eventuell Omega‑3). Pflanzliches Eiweiß kommt oft mit zusätzlichen Kohlenhydraten; für bewegungsarme oder insulinresistente Menschen kann das ungünstig sein, wenn es nicht gut geplant ist.

Messen, nicht raten: Was ist aussagekräftiger als BMI?

Warum ist der Taille‑zu‑Körpergröße‑Index (Waist‑to‑Height Ratio) so wichtig?

Der Taillenumfang im Verhältnis zur Körpergröße prognostiziert Herz‑Kreislauf‑Risiken besser als BMI. Faustregel: Verhältnis 0,5 (Taillenumfang = 0,5 × Körpergröße) ist optimal. Über 0,6 ist kritisch. Messhinweis: morgens nüchtern, unterer Rippenbogen, in entspannter Ausatmung messen.

Weitwinkelaufnahme des Interviews, beide Personen sitzen sich gegenüber im Studio

Medikamente, Spritzen und Multimodalität

Wie stehen Sie zu GLP‑1‑Medikamenten und Abnehmspritzen?

Walle sieht einen Platz für Medikamente als unterstützende Maßnahme, wenn sie in ein multimodales Programm eingebettet sind. Ohne begleitende Ernährungs‑ und Bewegungsstrategie droht Muskelverlust und eine ungünstige Körperzusammensetzung. Idealerweise unterstützen Medikamente die Verhaltensänderung, sie sind kein Ersatz dafür.

Bewegung, Muskelaufbau und Lebensqualität

Was ist wichtiger: Ausdauer oder Krafttraining?

Ab 50 gilt: Kraft vor Ausdauer. Muskelmasse ist «Lebensversicherung» im Alter. Muskeltraining schützt Mobilität, Selbstständigkeit und geistige Leistungsfähigkeit. Kleine, regelmäßige Kraftreize im Alltag helfen mehr als sporadische Quäl‑Workouts.

Systemfragen: Warum Prävention noch so selten honoriert wird

Warum zahlt das System Prävention nicht in ausreichendem Maße ein?

Weil Krankenkassen meist für Krankheit zahlen, nicht für Gesundheit. Viele Präventionsangebote sind IGel‑Leistungen oder nur für bestimmte Indikationen rückerstattbar. Walle fordert eine Umkehr: Ärzte sollen sensibilisiert, honoriert und die Patienten früh unterstützt werden. Solange sich Finanzierung und Vergütung nicht ändern, bleibt die Prävention limitiert.

Praktische Tipps für Ihre Gesundheit

  • Kein Tag ohne Salat: Volumen, Ballaststoffe, Vitamine.
  • Eiweiß priorisieren: 1,2–1,6 g/kg für die meisten Erwachsenen, individuell anpassen.
  • Reihenfolge beachten: Gemüse → Eiweiß → Kohlenhydrate → Süßes.
  • Taillenumfang messen: Nutzen Sie Waist‑to‑Height Ratio statt reiner Waagefixierung.
  • Bewegung integrieren: Krafttraining als Basis, Bewegung mit Freude.

Ressourcen, Angebote und wie QS24 Sie begleitet

Wenn Sie weiterlernen möchten: QS24, wikiSana, QS24.tv und die QS24 Sprechstunden bieten tiefe Vernetzung aus Wissenschaft, Praxis und ganzheitlicher Medizin. Nutzen Sie die QS24 Academy (https://my.qs24.academy) für zertifizierte Kurse und unsere Online‑Zeitung: https://qs24.run/online.

Installieren Sie die QS24 APP: https://www.qs24.tv/qs24-app/ und melden Sie sich für den Newsletter an: https://www.qs24.tv/newsletter/.

Der QS24 Gesundheitskompass erreicht bereits große Leserschaften: Die erste Ausgabe hatte eine verteilte Auflage von 140.000 Exemplaren. Die zweite Ausgabe markiert einen neuen Meilenstein mit über 1.000.000 Exemplaren, davon rund 580.000 direkt im D‑A‑CH‑Raum verteilt. Das ist eine beeindruckende Reichweite für ganzheitliche Gesundheitskommunikation.

FAQ

Wie lange nutze ich einen Protein‑Shake sinnvoll?

Shakes sind als Kurzzeit‑Werkzeug sinnvoll: typischerweise drei bis sechs Monate während einer intensiven Gewichtsreduktion, kombiniert mit Schulung und Krafttraining. Danach Ziel: normale, eiweißreiche Ernährung.

Kann Leberfasten wirklich Leberfett reduzieren?

Ja. Strukturierte, eiweißbetonte Leberfast‑Programme zeigen bei vielen Patientinnen und Patienten deutliche Besserungen der Leberwerte und Reduktion der Leberverfettung. Entscheidend ist die ärztliche Begleitung.

Sind Eier unbedenklich?

Ja. Nahrungscholesterin hat gegenüber körpereigener Cholesterinproduktion eine untergeordnete Rolle. Eier sind ein nährstoffdichtes Lebensmittel. Die Qualität der Haltungsform bleibt wichtig.

Wer bezahlt Ernährungsprogramme?

In Deutschland gibt es Verträge mit zahlreichen Krankenkassen; oft werden Schulungen rückerstattet (teilweise bis ~80 %), wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht. Für präventive, nicht‑kranke Teilnehmer ist die Erstattung eingeschränkter.

Wann ist ein Medikament sinnvoll?

Wenn Appetitkontrolle oder Stoffwechselstörungen so stark sind, dass Verhalten allein nicht greift, kann ein Medikament unterstützen — aber immer kombiniert mit Ernährungs‑ und Bewegungsprogramm, um Muskelverlust zu vermeiden und dauerhafte Veränderung zu erzielen.

Abschließende Gedanken und Einladung

Sie stehen im Zentrum: Ihre Entscheidung für Bewusstsein, nährstoffreiche Kost, Bewegung und gezielte Unterstützung verändert Lebensjahre und Lebensqualität. Die Verbindung von Schulmedizin und ganzheitlicher Begleitung ist die Brücke, die heute wirkt.

Vielen Dank für Ihr Interesse. Wenn Sie tiefer einsteigen wollen: Besuchen Sie die QS24 Angebote, melden Sie sich für die QS24‑Sprechstunden an und sichern Sie sich Weiterbildung in der QS24 Academy. Der Gesundheitskompass und die App sind Werkzeuge, die Sie konkret unterstützen.

Mit herzlichem Dank und den besten Wünschen für Ihre Gesundheit,

Alexander Glogg – QS24



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Alexander Glogg

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