Dieses Interview erklärt, was hinter dem komplexen Namen Mastzellenaktivierungssyndrom (MCAS) steckt, warum es häufig übersehen wird und wie moderne Diagnostik und Ganzheitsmedizin helfen können. Bei QS24, wikiSana, QS24.tv, Sprechstunden finden Sie weiterführende Inhalte, Tests und Austauschmöglichkeiten zum Thema.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung — Warum MCAS mehr ist als Histamin
- Interview
- Konkrete Untersuchungen und Praxisablauf
- Brücken zwischen Schulmedizin und Ganzheitsmedizin
- FAQ
- Weiterführende Angebote der QS24-Mediengruppe
- Abschluss und persönlicher Rat
Einleitung — Warum MCAS mehr ist als Histamin
MCAS beschreibt eine fehlgesteuerte Immunantwort, bei der Mastzellen überempfindlich werden und bei kleinsten Reizen wie Nahrungsmitteln, Stress, Lärm oder Umweltfaktoren massive Botenstoffe wie Histamin und Zytokine freisetzen. Die Folgen sind vielfältig: Hautreaktionen, Müdigkeit, Bauchschmerzen, Herzrasen oder neurologische Beschwerden. Dr. Markus Pfisterer erläutert, wie Diagnostik, Mikrobiomarbeit und individuell abgestimmte Therapie diesen Teufelskreis durchbrechen können.

Interview
Herr Dr. Pfisterer, was genau ist das Mastzellenaktivierungssyndrom?
Das Mastzellenaktivierungssyndrom ist eine Immunfehlregulation. Mastzellen sind Schaltstellen des Immunsystems. Wenn sie überempfindlich reagieren, schütten sie in unangemessener Menge Botenstoffe wie Histamin oder Serotonin aus. Betroffene fühlen sich krank, oft schon bei geringsten Reizen. Es handelt sich nicht um eine klassische Autoimmunerkrankung, sondern um eine Entgleisung der Immunregulation.
Welche Auslöser sollten Patientinnen und Patienten kennen?
Viele Reize können Mastzellen aktivieren: bestimmte Nahrungsmittel, Stress, Lärm, Elektrosmog oder Umweltschadstoffe. Auch Veränderungen im Darmmikrobiom, Infektionen, Medikamente und Nährstoffmängel spielen eine Rolle. Wichtig ist: Die Reaktionen sind sehr individuell. Was bei den einen auslöst, bleibt bei anderen folgenlos.

Wie wird MCAS diagnostiziert?
Die Diagnostik ist vielschichtig. Laborwerte wie Histaminspiegel oder Mastzellmarker im Urin helfen weiter. In Spezialfällen werden Biopsien aus Darm oder Knochenmark benötigt, doch vieles lässt sich ambulant klären. Entscheidender als Einzelwerte ist die systematische Erfassung der Symptome und die kombinierte Betrachtung von Blut- und Stuhlbefunden sowie Mikronährstoffstatus.
Welche Rolle spielt der Darm — und was bedeutet Leaky Gut in diesem Kontext?
Der Darm ist zentral. Bei einer erhöhten Durchlässigkeit (Leaky Gut) gelangen Nahrungsbestandteile und Toxine direkt ans Immunsystem. Das kann die Mastzellen dauerhaft reizen und Fehlregulation fördern. Leaky Gut ist häufig vergesellschaftet mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Arthritis oder neurodegenerativen Erkrankungen und entsteht durch ungesunde Ernährung, Stress, Alkohol oder Medikamente.

Wie wichtig ist das Mikrobiom — und wie wird es heute analysiert?
Sehr wichtig. Moderne Stuhlanalysen (z. B. BioVis) messen nicht nur Bakterienstämme, sondern auch das Metabolom — die Stoffwechselprodukte der Darmflora. So erkennen wir, welche Substanzen positiv oder toxisch wirken, etwa bestimmte Fettsäuren oder abgebaute Gallensäuren. Auf dieser Basis lässt sich gezielt modulieren: bestimmte Probiotika einsetzen, Ernährung anpassen und toxische Belastungen reduzieren.

Viele hören „Histamin“ und denken sofort an Unverträglichkeit. Ist das dasselbe wie MCAS?
Nein. Eine Histaminintoleranz ist meist ein Abbauproblem oder zu hohe Zufuhr von Histamin. MCAS ist eine immunologische Erkrankung mit aktiven Mastzellen, die bei geringen Reizen große Mengen Histamin und andere Mediatoren freisetzen. Histaminintoleranz kann Teilaspekt sein, aber nicht jede Histaminintoleranz führt zu MCAS.
Wie sieht eine praktische Therapie aus — und wie viel muss der Patient verändern?
Therapie heißt hier Stabilisierung und schrittweiser Wiederaufbau. Kernpunkte:
- Darmsanierung: gezielte Probiotika, Reduktion pathogener Keime und Aufbau einer stabilen Flora.
- Ernährung: individuell angepasste Kost, Vermeidung problematischer Nahrungsmittel, schrittweiser Aufbau von Ballaststoffen.
- Medikation: Histaminblocker und Mastzell-stabilisierende Maßnahmen, dosiert und behutsam.
- Stressreduktion: Psychohygiene, Bewegung und Schlaf sind Teil des Konzepts.
Viele Patienten vertragen anfangs nur eingeschränkte Lebensmittel. Ziel ist, die Mastzellen so zu beruhigen, dass eine breitere Ernährung wieder möglich wird.

Wie lange dauert die Behandlung? Gibt es Heilungschancen?
Das ist individuell. Einige Menschen bessern sich schnell, andere brauchen Monate bis Jahre. Da viele Ursachen kumulativ wirken — Ernährung, Stress, Medikamente — braucht es Geduld und ein schrittweises, datenbasiertes Vorgehen. Vollständige Heilung ist nicht immer möglich, aber deutliche Stabilisierung und Rückgewinnung von Lebensqualität sind realistisch.
Konkrete Untersuchungen und Praxisablauf
Welche Analysen führt Ihre Praxis standardmäßig durch?
Zuerst eine ausführliche Anamnese (bis zu 90 Minuten). Typische Untersuchungen sind:
- Stuhlanalyse inklusive Metabolom und Leaky-Gut-Parameter
- Bluttests für Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien und Histaminabbau (DAO)
- Mikronährstoff-Analyse (Vitamine, Mineralien)

Auf Basis dieser Ergebnisse erstellen wir ein individuelles Konzept: was ergänzen, was reduzieren, welche Probiotika oder therapeutischen Maßnahmen sinnvoll sind.
Brücken zwischen Schulmedizin und Ganzheitsmedizin
Die beste Versorgung entsteht an der Schnittstelle Schulmedizin ↔ Ganzheitsmedizin. Labormedizin, endoskopische Befunde und molekulare Diagnostik treffen auf Ernährungsmedizin, Mikrobiomtherapie und Stressmanagement. Diese Brücke ist entscheidend, um MCAS nicht nur zu unterdrücken, sondern nachhaltig zu regulieren.
FAQ
Ist Histaminintoleranz dasselbe wie MCAS?
Nein. Histaminintoleranz ist meist ein Abbauproblem oder zu hohe Zufuhr von Histamin. MCAS ist eine Immunerkrankung mit aktivierten Mastzellen, die mehrere Mediatoren freisetzen.
Wie wird Leaky Gut festgestellt?
Leaky Gut wird über Stuhlanalysen, Entzündungsmarker und spezielle Tests auf Darmbarriere-Funktion sowie durch die Erhebung von Symptomen und Risikofaktoren diagnostisch eingeordnet.
Welche Rolle spielt Stress bei MCAS?
Stress ist ein starker Mastzell-Aktivator. Psychische Belastung, Lärm oder chronischer Stress erhöhen die Reizbarkeit des Immunsystems und können MCAS verschlechtern.
Wie schnell verbessert sich das Mikrobiom?
Veränderungen zeigen sich meist binnen Wochen bis Monaten. Die vollständige Stabilisierung kann länger dauern, abhängig von Ursachen wie Antibiotikageschichte, Ernährung und Lebensstil.
Weiterführende Angebote der QS24-Mediengruppe
Wenn Sie sich vertieft informieren oder aktiv werden möchten, bieten die Angebote der QS24-Mediengruppe passende Brücken:
- QS24 Gesundheitskompass — Die erste Ausgabe erreichte 140.000 Exemplare. Die zweite Ausgabe erscheint im Januar 2026 und erreicht über 1.000.000 Exemplare, davon rund 580.000 im D-A-CH-Raum verteilt.
- QS24 Academy — Onlinekurse und Zertifikate: https://my.qs24.academy
- QS24 Online-Zeitung — Umfangreiche Inhalte und AR-Module: https://qs24.run/online
- QS24 APP — Installieren Sie die App für Zugang zu Inhalten: https://www.qs24.tv/qs24-app/
- QS24 Sprechstunden — Interaktive Experten-Events mit Live-Fragerunden: https://qs24.run/sprechstunden
- Newsletter — Bleiben Sie informiert: https://www.qs24.tv/newsletter/
Die QS24 Mediengruppe AG bietet eine breite Reichweite und ein starkes Expertennetzwerk: bis zu 600.000 Tagesreichweite, über 400.000 YouTube-Abonnenten, monatlich zehntausende Streaming-Stunden und mehr als 6.500 Videos zu Ganzheitsmedizin und Prävention. wikiSana steht für eine wachsende, werbefreie Datenbank mit Unterstützung durch KI.
Abschluss und persönlicher Rat
MCAS ist komplex, aber behandelbar. Der Weg beginnt mit Aufmerksamkeit, einer umfassenden Diagnostik und einem Geduld bringenden, ganzheitlichen Plan. Stabilisierung des Darms, gezielte Nährstoffversorgung, Stressregulation und moderne Mikrobiom-Analytik bilden die Säulen eines nachhaltigen Konzeptes. Nutzen Sie die Brücke zwischen Schulmedizin und Ganzheitsmedizin als tragfähige Grundlage.
Herzlichen Dank für Ihre Zeit und Ihr Interesse. Mit warmen Grüßen,
Alexander Glogg
QS24 — Ihr Wegweiser für ganzheitliche Gesundheit

