Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Interview
- Praktische Einkaufs-Checkliste
- FAQ
- Weiterführende Angebote und Ressourcen
- Abschließende Gedanken
Einleitung
Viele Menschen vertrauen auf das Wort Bio als Synonym für Natürlichkeit, Sicherheit und Qualität. Helena Paulus, Wirkstoffexpertin und Unternehmerin, erklärt, warum dieses Vertrauen trügerisch sein kann und wie Sie mit klarem Blick zwischen echtem Mehrwert und Marketingversprechen unterscheiden. In diesem Interview erfahren Sie praxisnahe Kriterien, wie Sie Inhaltsstoffe lesen, Bio-Siegel einordnen und auf wirksame, nährende Pflege achten. Die Themen werden eingebettet in die Plattformen QS24, wikiSana, QS24.tv, Sprechstunden — wichtige Zugangsplattformen für vertiefende Informationen.
Interview
Frau Paulus, warum ist das Wort "Bio" in der Kosmetikbranche so missverständlich?
Das Wort Bio ist in der Kosmetik nicht gesetzlich geschützt. Das bedeutet: Hersteller können "Bio" im Namen tragen oder mit natürlichen Bildern werben, obwohl das Produkt gar nicht zertifiziert ist. Anders als bei Lebensmitteln existiert kein einheitliches, gesetzliches Minimum für den Bio-Anteil in Kosmetik. Das eröffnet großen Spielraum für Greenwashing. Sie sollten also nicht allein auf die Aufschrift vertrauen, sondern die Zertifikate und die Inhaltsstoffliste prüfen.
Welche Siegel sind tatsächlich aussagekräftig und worauf sollten Sie achten?
Es gibt rund 30 verschiedene Bio- und Naturkosmetik-Siegel im europäischen Raum. Einige Verbände haben sich zusammengeschlossen und einen gemeinsamen Standard geschaffen, beispielsweise Kosmos für Natur- und Biokosmetik. Aber auch hier variieren die Kriterien stark: Bei Produkten, die auf der Haut verbleiben, können zertifizierte Bioanteile nur 20 Prozent betragen; bei Rinse-off-Produkten wie Shampoos genügen teilweise 10 Prozent. Achten Sie auf Mindestangaben, die Deklaration "Ingredients from Certified Organic Agriculture" und ob Begriffe wie kaltgepresst angegeben werden. Wichtig ist: Je höher die Transparenz, desto verlässlicher das Siegel.

Welche Inhaltsstoffe in zertifizierter Biokosmetik können trotzdem problematisch sein?
Ein typisches Beispiel ist Sodium Lauryl Sulfate (SLS) und verwandte Tenside. SLS hat einen hohen Reizwert; bereits 0,5 Prozent können die Haut nachhaltig schädigen, in vielen Shampoos und Duschgels sind jedoch deutlich höhere Anteile üblich. Bis vor Kurzem war SLS selbst in einigen Bio-zertifizierten Produkten noch erlaubt — ein Indikator dafür, dass "bio" nicht automatisch "harmlos" bedeutet. Ebenso problematisch sind stark denaturierte Alkohole, die hormonell wirksam sein können, oder synthetische Konservierungsstoffe, die langfristig problematisch sind.

Wie beurteilen Sie die Verarbeitung von Pflanzenölen in Biokosmetik?
Die Qualität eines Öls bestimmt sich nicht nur durch die Herkunft. Raffinationsprozesse entziehen Ölen Enzyme, Vitamine und Mineralstoffe; bei starker Desodorierung bis 230 Grad bleibt oft wenig vom wertvollen Gehalt übrig. Ein "biologisch angebautes" Öl kann nach Raffination nahezu tot sein. Für echte Hautnahrung sind kaltgepresste, unverfälschte Öle und minimal verarbeitete Wirkstoffe entscheidend.
Was sagt die INCI-Liste — und wie lesen Sie sie richtig?
Die Inhaltsstoffliste offenbart mehr als Marketingversprechen. Achten Sie auf die Reihenfolge: Steht Glycerin gleich an zweiter Stelle, handelt es sich oft um einen billigen Feuchtigkeitsformer, der nur Wasser bindet und langfristig die Haut austrocknet. Caprylic/Capric Triglyceride sind neutrale Füllstoffe, die wenig reparativen Nutzen bringen. Um echte Wirkung zu erwarten, sollten Wirkstoffe in relevanter Konzentration gelistet sein — 0,01 Prozent ist oft nur ein Etikettentrick.

Welche Öle und Wirkstoffe würden Sie Verbrauchern als sinnvoll empfehlen?
Setzen Sie auf hochwertige Wirköle und gezielt dosierte Wirkstoffe. Empfehlenswert sind:
- Wildrosen- / Hagebuttenöl – entzündungshemmend, regenerierend.
- Macadamiaöl – enthält wertvolle Fettsäuren und Enzyme.
- Hanföl – entzündungsmodulierend und nährend.
- Granatapfelkernöl, Baobaböl – reich an Antioxidantien, Vitaminen und Spurenelementen.
Wichtig ist Abwechslung: Jedes Öl bietet ein eigenes Nährstoffspektrum. Kombinierte Formulierungen sind oft sinnvoller als ein immer gleiches Basisöl.
Welche Konservierungsstrategien sind aus Ihrer Sicht vertretbar?
Konservierung ist notwendig, damit Produkte mikrobiologisch sicher sind. Das Credo heißt: so wenig wie möglich, so viel wie nötig. Bevorzugen Sie konservierende Systeme mit geringer Toxizität, etwa Kaliumsorbat oder Natriumbenzoat, die naturidentisch sind. Vermeiden sollten Sie langlebig bioaktive oder hormonell wirksame Stoffe. Idealerweise stört ein Konservierungsstoff die Hautflora nicht dauerhaft.

Praktische Einkaufs-Checkliste
- Prüfen: Ist ein anerkanntes Bio- oder Naturkosmetik-Siegel vorhanden?
- Lesen: Welche Inhaltsstoffe stehen an den vorderen Stellen der INCI-Liste?
- Hinterfragen: Sind Öle kaltgepresst und minimal verarbeitet?
- Bewerten: Enthält das Produkt wirksame Wirkstoffkonzentrationen oder nur Füllstoffe?
- Risiken meiden: Tenside wie SLS, denaturierte Alkohole, problematische Parabene vermeiden.
FAQ
Ist "Bio" auf dem Produkt immer ein Qualitätsmerkmal?
Nein. "Bio" ist in der Kosmetik nicht geschützt. Ohne anerkanntes Siegel sagt die Nennung allein wenig über Qualität, Verarbeitung oder Wirkstoffgehalt aus.
Welche Siegel sind verlässlich?
Achten Sie auf etablierte, transparente Siegel wie Kosmos, BDIH oder Ecocert. Prüfen Sie zugleich die Mengenanforderungen des Siegels und die Deklaration der Inhaltsstoffe.
Sind natürliche Duftstoffe sicherer als synthetische?
Nicht zwangsläufig. Ätherische Öle enthalten viele Einzelstoffe und können allergische oder medizinische Wirkungen haben. In bestimmten Fällen sind einfache, gezielt getestete synthetische Düfte die risikoärmere Wahl.
Wie erkenne ich echte Nährstoffpflege?
Echte Nährstoffpflege basiert auf kaltgepressten Wirkölen, sinnvollen Wirkstoffkonzentrationen und minimalen Füllstoffen. Transparente INCI-Angaben und konkrete Dosierungsinformationen sind gute Indikatoren.
Weiterführende Angebote und Ressourcen
Vertiefen Sie Ihr Wissen mit den Angeboten der QS24 Mediengruppe:
- QS24 Gesundheitskompass: Die erste Ausgabe erreichte eine Auflage von 140.000 Exemplaren. Die zweite Ausgabe erscheint im Januar 2026 mit über 1.000.000 Exemplaren, davon rund 580.000 verteilt im D-A-CH-Raum.
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Abschließende Gedanken
Bio ist kein Garant für Wirksamkeit. Entscheidend sind unverfälschte Wirköle, sinnvolle Wirkstoffkonzentrationen und transparente Deklarationen. Sie haben das Recht, Produkte kritisch zu prüfen und bewusst zu wählen. Brücken zwischen Schulmedizin und Ganzheitsmedizin sind dabei hilfreich: Sie verbinden Ursachen und Wirkungen und fördern eine langfristige, nährende Hautgesundheit.
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Möge Ihr Weg zu echter, nährender Hautpflege von Klarheit und Wohlbefinden begleitet sein.
Mit herzlicher Verbundenheit,
das QS24-Team

